die beladung meines schreibtisches bewegt sich in wellen, vergleichbar mit jenen aus konjunktur und rezession. über wochen hinweg lagere ich immer neue kopien, postits, stifte, bücher und rechnungen ab bis die ersten teile meiner “zu-ereldigen-landschaft” abstürzen und andere mit sich in die tiefe reißen. in einem meist nur einige stunden andauernden anfall von aufbruchstimmung beschließe ich dann zukünftig mehr ordnung zu halten, nehme abfalleimer und staubwedel zur hand und erschaffe für kurze zeit jene welt die uns aus den katalogen nordischer einrichtungshäuser entgegenstrahlt.
im zuge dieser anfälle von ordnungswut beginne ich auch immer meinen “zu-erledigen-stapel”, eine art unterordnung meiner “zu-erledigen-landschaft”, die zu großen teilen aus rechnungen und offiziellem besteht, abzutragen. als vor wenigen wochen wiedereinmal alles gefährlich zu wanken begann und ich meine schon beschriebene routine abarbeitete stoße ich auf eine rechnung. genauer: zu beginn stoße ich auf keine rechnung und genau das machte mich stutzig. der fernseh- und internetdealer meines vertrauens hatte offensichtlich aufgehört mich mit rechnungen über erbrachte leistungen zu versorgen. ein schneller blick in meinen e-banking account zeigte eines: man hatte zwar keine rechnungen mehr geschickt, aber dafür 50% mehr geld als vereinbart abgebucht.
per telefon wurde ich darüber in kenntnis gesetzt, dass mir diese 50% für einen telefonbucheintrag verrechnet wurden. nur: ich besitze weder ein festnetztelefon, noch ist eines mit meinem anschluss verbunden. weiters wurde seit vertragsabschluss (länger als ein jahr) nicht ein telefonat mit meiner nummer geführt und der eintrag lautete weder auf meinen namen noch meine adresse. ein elektrogeschäft mit südlich klingendem namen ein paar gassen weiter schmückte sich im telefonbuch mit meiner nummer. all das bestätigte mir die freundliche bedienstete der serviceline, helfen aber könne sie mir nicht, ich möge mich doch bitte an den telefonbuch-betreiber wenden. in meine deutlich lautere stimme mischte sich das beben ehrlicher erzürnung und ich fasste zusammen: eine mir fremde firma verrechnet ihnen, ohne unterschrift, auftrag oder einverständnis meinerseits irgendeine leistung und sie stellen mir diese ohne auch nur die simpelsten fragen zu stellen (z.b.: stimmen adresse und name mit unseren daten überein) in rechnung, nur um mich dann darüber zu informieren, dass ich diesen fehler selbst ausbügeln muss?!? trotz deutlich ansteigendem ärger in meiner stimme und ausdrucksweise blieb die dame freundlich aber bestimmt, leider hätte sie nicht die geringste handlungskompetenz und könne mir nur raten eine email an die nächst höhere stelle zu verfassen. auch nach mehrmaligem nachfragen gab sie mir keine telefonnummer, die nächste stelle wäre lediglich per email zu erreichen, sie verstehe meinen ärger könne aber nur mit dieser emailadresse dienen. ich nahm sie entgegen und begann zu formulieren. deutlich erklärte ich meinem mir unbekannten gegenüber die fahrlässige handlungsweise seines unternehmens (o-ton: “da könnte ja jeder kommen”) und forderte schnelles und eindeutiges handeln.
wenige tage später erreichte mich eine antwort in der mir erklärte wurde, dass ich durchaus richtig informiert worden sei und mich tatsächlich selbst um die angelegenheit zu kümmern hätte. kurz vor dem abschnitt über jene einrichtungen an die ich mich vertrauensvoll wenden könne (freundlicherweise samt tel.nr. und email adresse) war ein satz eingefügt, der mir endgültig die farbe eines britischen mallorca-touristen ins gesicht trieb: “Bitte beachten Sie, dass pro Zeichen eines Zusatzeintrages EUR 0,55/jaehrlich verrechnet wird.” nicht nur, dass er ablehnte sich um den eindeutig von seiner eigenen firma verursachten fehler zu kümmern, er teilte mir mit, dass mich jener ab jetzt jährlich kosten würde. in diesem moment wurde mir klar wieso man in dieser arbeitsstelle keine telfonanschlüsse besaß. einerseits würde einen die eigene firma sicher bluten lassen (ich vermute ich bin nicht der einzige mit ungerechtfertigter weise verrechneten kosten) und andererseits besitzen internet- gegenüber telefonleitungen einen gravierenden vorteil: durch internetleitungen brüllt es sich sehr schlecht! da man davon ausgehen kann, dass diese herren und damen des öfteren völlig verständliche wutausbrüche zu hören bekommen, ist die nicht vorhandene telefonleitung wohl reiner selbstschutz.
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