meine hochachtung für einen liberalen

ich musste das noch nie sagen und ich vermute mal, ich werde es auch so schnell nicht wieder tun, aber: meine hochachtung für herrn haselsteiner.

unternehmer, multimillionär und freizeitpolitiker der er nun einmal ist hat er in einem interview mit dem standard die vermutlich klügsten innenpolitischen forderungen seit jahrzehnten formuliert.

ein unternehmer der erkannt hat, dass jene die kapital besitzen längst nichts mehr zum wohle dieses staates und unserer gesellschaft beitragen. es steht auch zu vermuten, dass er bei den brennenden autos in frankreichs vorstädten etwas tiefer geblickt hat, als der rest seiner, der besitzenden, klasse. im gegensatz zu den unseligen grassers und stronachs dieser nation, hat er erkannt, dass zu viel ungleichheit ungemach für alle bedeutet. was nützen im schon ein paar millionen mehr, wenn er sein afterwork-bier nur mit 5 bodyguards in hermetisch abgeriegelter umgebung einnehmen kann.

im gegensatz zu unserem grünäugigen wirtschaftsprofessor konzentriert er sich nicht auf themen die alle befürworten, aber keinen wirklich tangieren: atomkraft, umweltschutz und kinderbetreuung um nur einige zu nennen. hier geht es um die zentralen themen einer gesellschaft, den kleber der die individuen verbindet. darum wer wie viel zum funktionieren des konstruktes beitragen muss. wahltechnisch sicherer wäre der grüne weg, politisch verantwortungsvoller der andere. haselsteiner musste sich aufgrund ähnlicher vorschläge schon als “linksextremer” beschimpfen lassen. unfassbarer schwachsinn in einem land, in dem jeder der nicht nach steureentlastungen schreit als verrückt gilt.

bei all dem lob muss man sich aber doch eines vor augen halten. kein einziges mal kommt ihm die verstärkte gewinnbesteuerung von unternehmen über die lippen. in unserer gesellschaft existiert nämlich eine zweite schieflage: trotz steigender gewinnmargen sinkt der von wirtschaft und industrie erbrachte anteil am steueraufkommen stetig.

trotzdem gebührt ihm schon dafür hochachtung das thema überhaupt angesprochen zu haben. sämtliche andere parteien ergehen sich darin ideen zu prolongieren, die ihren spindoktoren geeignet erscheinen ein möglichst großes wahlpublikum anzusprechen. denn seien wir uns mal ehrlich: wer glaubt schon daran, dass unserem wirtschaftsprofessor wirklich viel an gratis kinderbetreuung liegt? auch er würde, unterstell ich einmal, lieber über die grundfesten der gesellschaft sprechen, aber der opportunismus hindert ihn daran.

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