ein paar anmerkungen zur finanzkrise

man kommt als leser von zeitungen oder konsument von nachrichtensendungen, egal ob gehörten oder gesehenen, ja nicht mehr an der krise vorbei. ständig tauchen neue “experten” auf und plappern nach was die hundert anderen “experten” vor ihnen auch schon gesagt habe.

selbst investmentbanker kann man mittlerweile von “schieflagen im system” und schweren fehlern der vergangenheit reden hören, wie unlängst im club2 aufgeschnappt. selbst jene die den freien markt und die liberalisierung bis vor einem jahr noch als kardinalslösung für praktisch jedes problem, egal ob pensions- oder krankenversicherung, auf den lippen führten (wie unser noch-finanzminister) fordern heute ein mehr an staat, bessere kontrollen und ein mehr an regelungen. kein wort ist mehr von “dringend nötigen liberalisierungen” zu lesen oder zu hören.

daraus ergeben sich mehrere implikationen und fragestellungen:

  • all jene die den nationalstaat für tot und überholt erklärten können ihre schmöker aus den regalen nehmen und sie der altpapierentsorgung zuführen. zumindest jene, die eine düstere von großkonzernen und hedgefonds dominierte welt gemalt haben. diese konstrukte des neoliberalismus, seien es investmentbanken, fonds oder ratingargenturen, haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie dieser rolle nicht gewachsen sind. die viel gescholtenen staaten mussten einspringen um das schlimmste zu verhindern. der mühsam aufgebaute ruf des smarten, alles überblickenden bankers im designeranzug, der dem konservativen, übergewichtigen, mit einer dicken hornbrille bewaffneten politiker meilenweit überlegen ist, wurde wohl für lange zeit zerstört. dem nächsten politiker, der nach deregulierung ruft, werden die schreiberlinge hiesiger medien einen schnellen und unsanften abgang bescheren.
  • zu den überschwenglichen und fast panischen sicherungserklärungen für sparguthaben bleibt nur zu betonen was die wirklichen experten schon mehrfach zu (er)klären suchten: eine uneingeschränkte sicherheitserklärung des staates gibt beiden, sparern und verwahrern die möglichkeit ihre vorsicht fallen zu lassen. sparer können geld fortan bei schlechten, aber billigen, banken deponieren, weil sie ihr geld ohnehin nicht verlieren können. den verwahrern (banken) wiederum gibt es die möglichkeit auf kosten eigener finanzieller stabilität bessere konditionen zu bieten und damit marktanteile gewinnen zu können. >> deshalb ist eines sehr wichtig, die banken sind der ursprung der finanzkrise. primär zu ihrer rettung, oder zumindest zur rettung ihrer gewinne wurde diese sicherung der spareinlagen erfunden, sie sollten deshalb zumindest teile der kosten tragen.
  • auch wenn es momentan nicht so aussieht und sämtliche in der finanzbranche tätige personen schwören man würde nach der krise nicht einfach zum tagesgeschäft übergehen sehe ich doch eine gefahr: indem regierungen banken, fonds und versicherungen am laufenden band retten schulen sie einen ganzen wirtschaftszweig. sie erklären dem nachwuchs in den gläsernen bankzentralen: macht möglichst viel geld, riskiert auch mal was, erfindet neues immer risikoträchtigeres, ganz egal obs noch irgendjemand versteht, hauptsache der aufwärtstrend bleibt erhalten – sollte einmal etwas passieren hauen wir euch da schon wieder raus. genau die lektion die man nicht erteilen wollte. bleiben meiner ansicht nach nur zwei optionen: möglichkeit 1, man stoppt die rettungsaktionen und lässt, wie im freien markt üblich, kranke betriebe in konkurs gehen, ganz egal welche folgen das für die weltwirtschaft haben möge. möglichkeit 2: man versucht das angerichtete chaos zu beseitigen, verhängt dann aber, wie bei uneinsichtigen kindern üblich, drakonische strafen und neue regeln. da ich persönlich dazu tendiere empirischen daten zu glauben und neoliberalen mantras, wie dem der unsichtbaren hand, zu misstrauen, bevorzuge ich option 2. sie gibt uns die möglichkeit, an einer kreuzung stehend, die andere abzweigung zu nehmen und jene 30 jahre lange strasse zu verlassen, die uns hierher führte.

wa auch immer passieren wird, erstmals seit langer zeit, gibt es zumindest eine chance, dass sich etwas ändert und die entscheidungsträger endlich anfangen jenen zuzuhören deren warnungen seit jahren ungehört verhallen.

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ein kommentar

  1. Hoffentlich trifft Dein Schlusssatz zu!

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