Allgemein


2
Okt 09

durch internetleitungen brüllt es sich sehr schlecht

die beladung meines schreibtisches bewegt sich in wellen, vergleichbar mit jenen aus konjunktur und rezession. über wochen hinweg lagere ich immer neue kopien, postits, stifte, bücher und rechnungen ab bis die ersten teile meiner “zu-ereldigen-landschaft” abstürzen und andere mit sich in die tiefe reißen. in einem meist nur einige stunden andauernden anfall von aufbruchstimmung beschließe ich dann zukünftig mehr ordnung zu halten, nehme abfalleimer und staubwedel zur hand und erschaffe für kurze zeit jene welt die uns aus den katalogen nordischer einrichtungshäuser entgegenstrahlt.

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20
Mär 09

berlin auf einem türschild

allen die es noch nicht wissen sei es hiermit gesagt: ich weile seit 3 wochen in berlin. durch zufall und etwas glück ist mir ein praktikum am wzb (wissenschaftszentrum für sozialforschung berlin) in die hände gefallen.

nach einer durchzechten nacht zog ich mit einem veritablen kater im gepäck in mein neues domizil. “house of nations” nennt sich das großspurig, als hellhörigen stahlbetonkäfig für asiatische musikstudenten (!!!) müsste man es wohl eher titulieren. bei all dem tadel bleibt jedoch eines zu loben: für den preis eines singleappartements bewohne ich die doppelversion, sogar in behinderten-gerechter ausführung. türschnallen auf 1.10 m, dusche ohne wanne, ein spiegel auf nasenhaarhöhe, halterungen an jeder ecke (vom tag an dem diese mir spät in der nacht zu hilfe eilen wird an selbiger stelle gesondert berichtet).

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10
Okt 08

ein paar anmerkungen zur finanzkrise

man kommt als leser von zeitungen oder konsument von nachrichtensendungen, egal ob gehörten oder gesehenen, ja nicht mehr an der krise vorbei. ständig tauchen neue “experten” auf und plappern nach was die hundert anderen “experten” vor ihnen auch schon gesagt habe.

selbst investmentbanker kann man mittlerweile von “schieflagen im system” und schweren fehlern der vergangenheit reden hören, wie unlängst im club2 aufgeschnappt. selbst jene die den freien markt und die liberalisierung bis vor einem jahr noch als kardinalslösung für praktisch jedes problem, egal ob pensions- oder krankenversicherung, auf den lippen führten (wie unser noch-finanzminister) fordern heute ein mehr an staat, bessere kontrollen und ein mehr an regelungen. kein wort ist mehr von “dringend nötigen liberalisierungen” zu lesen oder zu hören.

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27
Aug 08

wahlkampf einmal anders

auf youtube findet man zur zeit einen “aufruf” ans dritte lager. ganz im sinne eines regisseurs der vor kurzem bei larry king mit dem satz “the peoples are too dump to be governed” auffiel, versucht diese initiative zu retten was zu retten ist.

diesem vorschlag, dieser idee, dieser bewegung ist natürlich voll und ganz zuzustimmen.


26
Aug 08

faymann und die entlastung

nach der lektüre der neuesten innenpolitischen entwicklungen loderte eine kleine flamme der hoffnung in mir auf, vielleicht wäre molterer doch noch zu verhindern. faymann macht was seit jahren bitter nötig wäre: er bringt rot in die offensive.

natürlich kann man über die aktion an sich diskutieren. blanker populismus hört man aus der einen, wirtschaftlicher wahnsinn aus der anderen ecke. natürlich auch ist die halbierung der mehrwertsteuer auf lebensmittel eine teure angelegenheit, ob sie wirklich so sozial unausgewogen ist wage ich zu bezweifeln. Continue reading →


19
Aug 08

georgien als vorposten der demokratie?

wenn man sich in den letzten tagen so durch in- und ausländische presse klickt, liest, hört und schaut könnte man glatt glauben die demokratie wäre in tiflis erfunden und vom bösen russischen bär gefährdet worden.

da erkennen französische philosophen die historische chance einen demokratisch gewählten präsidenten zu stützen um dem russischen autokratismus ein für alle mal einen riegel vor zu schieben und die natomitglieder bieten dem armen und verfolgten georgien ein lauschiges plätzchen am feuer an. nirgends regt sich der hauch des zweifels, nur ein kleiner friedensnobelpreisträger leistet widerstand. Continue reading →


8
Aug 08

meine hochachtung für einen liberalen

ich musste das noch nie sagen und ich vermute mal, ich werde es auch so schnell nicht wieder tun, aber: meine hochachtung für herrn haselsteiner.

unternehmer, multimillionär und freizeitpolitiker der er nun einmal ist hat er in einem interview mit dem standard die vermutlich klügsten innenpolitischen forderungen seit jahrzehnten formuliert.

ein unternehmer der erkannt hat, dass jene die kapital besitzen längst nichts mehr zum wohle dieses staates und unserer gesellschaft beitragen. es steht auch zu vermuten, dass er bei den brennenden autos in frankreichs vorstädten etwas tiefer geblickt hat, als der rest seiner, der besitzenden, klasse. im gegensatz zu den unseligen grassers und stronachs dieser nation, hat er erkannt, dass zu viel ungleichheit ungemach für alle bedeutet. was nützen im schon ein paar millionen mehr, wenn er sein afterwork-bier nur mit 5 bodyguards in hermetisch abgeriegelter umgebung einnehmen kann.

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14
Mai 08

hühnerfleisch

da lädt der orf in einer seiner renomierteren sendungen zu einer diskussion rund um den hunger und am ende fragt man sich nach der definition des titels “experte”…
da sitzt z.b. einer, der ganz offen und ehrlich zugibt, dass er als philosoph und theologe lediglich fragen, aber keine antworten hat, und mimt den 2. moderator. freundlich lächelnd und immer wieder klug intervenierend, aber eben mehr zum leiter denn zum diskutanten  geeignet.
links neben ihm nimmt ein adrett gekleideter vertreter des finanzbusiness platz, erklärt dass alles weit weniger kompliziert ist, als es vermutlich klingt und erkennt ganz generell kaum ein problem, da die preise sowieso wieder sinken werden.
noch einen sessel weiter finden wir einen professor der wirtschaftsgeschichte. seines zeichens hobbylogistiker (“alles ist eine frage der verteilung”) und herr über einen einigermaßen ausgefallenen kinnbewuchs.

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26
Mär 08

csr an der philosophie

die philosophische fakultät bekommt eine vorlesung spendiert und die studenten streiken. wieso fragen sich da viele, selbst philosophiestudentInnen verstehen den aufstand nicht, argumentieren man möge das zusätzliche angebot doch nutzen, die studiensituation sei ohnehin nicht rosig. die unabhängigkeit der bildung sei nicht so wichtig, schließlich hätten die studenten einen eigenen kopf und könnten sich selbst eine meinung bilden.

wer das wirklich glaubt unterschätzt die wirkung des podiums. seit frühester kindheit akzeptiert beinahe jeder seine lehrenden als autoritätsfiguren und das ändert sich auch während des studiums kaum.

bildung darf nicht mit interessen verknüpft werden. weder politischen noch wirtschaftlichen. wenn eine vorlesung über soziale verantwortung von unternehmen durch ein solches finanziert wird und dann auch noch mitarbeiter des selben vorträge halten ist die schieflage nicht mehr zu verkennen.

vielleicht schadet eine derart finanzierte vorlesung nicht, ist der damm aber einmal gebrochen wird solch eine verquickung von lehre und wirtschaft bald schon der regelfall sein.