da lädt der orf in einer seiner renomierteren sendungen zu einer diskussion rund um den hunger und am ende fragt man sich nach der definition des titels “experte”…
da sitzt z.b. einer, der ganz offen und ehrlich zugibt, dass er als philosoph und theologe lediglich fragen, aber keine antworten hat, und mimt den 2. moderator. freundlich lächelnd und immer wieder klug intervenierend, aber eben mehr zum leiter denn zum diskutanten geeignet.
links neben ihm nimmt ein adrett gekleideter vertreter des finanzbusiness platz, erklärt dass alles weit weniger kompliziert ist, als es vermutlich klingt und erkennt ganz generell kaum ein problem, da die preise sowieso wieder sinken werden.
noch einen sessel weiter finden wir einen professor der wirtschaftsgeschichte. seines zeichens hobbylogistiker (“alles ist eine frage der verteilung”) und herr über einen einigermaßen ausgefallenen kinnbewuchs.
links von ihm sitzt das emotionale gewissen der runde. börsen, märkte, handel oder internationale politik interessieren sie nicht, um den menschen ginge es hört man immer wieder.
in ihrer rolle als vertreterin des einzelnen menschen “auf den man nicht vergessen darf” wirft sie die frage nach dem hühnerfleisch auf. während ihrer letzten reise nach kamerun hätte sie bemerkt, dass europäisches hühnerfleisch zu spottpreisen in den supermärkten des landes feilgeboten wird. kaum ein “echtes kamerunisches huhn” sei mehr zu finden, beklagt sie.
der orf-moderator fragt nach den gründen, zu seiner linken formuliert der selbsternannte fragensteller etwas um, legt emotional nach und spricht direkt den herrn professor an. den fondsmanager umschifft man elegant, solange sich die fragen nicht entweder rund um das liebe geld oder die börse drehen.
jetzt liegt es also wieder am mann der wissenschaft die anliegende frage zu beantworten: er überlegt kurz und setzt auf die (zu recht) vielgescholtenen exportzuschüsse der eu, nur so wäre es möglich europäisches hühnerfleisch in afrika zu verkaufen und damit die einheimische agrarwirtschaft zu zerstören.
nun, das ist falsch. hätte die ngo-vertreterin die kühlregale etwas genauer unter die lupe genommen wäre ihr vielleicht die abwesenheit jeglichen brustfleisches aufgefallen. europäischen produzenten brauchen keine förderungen, ihre heimischen kunden haben mit dem kauf des brustfleisches schon das gesamte huhn bezahlt, was immer man für den rest des tieres noch lukrieren kann ist reine draufgabe. diese sehr simple mechanik läßt sich auf viele weitere märkte ausdehnen: kleider, autos, computer und unterhaltungselektronik. was immer in europa nur noch schrottwert hat wird billig in die länder des südens verschachert. diese güter sind dann natürlich konkurrenzlos billig, zerstören die noch verbliebenen reste einer einheimischen wirtschaft und verlagern das müllproblem westlicher industrienationen in die ärmeren gefilde unserers planeten.
da stellt sich mir unweigerlich die frage wer im orf eigentlich den erlauchten kreis jener “experten” bestimmt, die zu solchen diskussionen geladen werden…
Tags: afrika, diskussion, huhn, hunger, orf